Migräne und frühes Trauma – Warum Erstarrung Schmerzen auslösen kann

Migräne und Trauma: Ursachen Verstehen und Therapieansätze kennenlernen.

Migräne kann mit der Traumareaktion Erstarrung verbunden sein. Erfahre, warum dein Körper in die Starre geht, wie frühe Erfahrungen nicht nur das Nervensystem prägen und wie du langsam wieder ins Spüren kommst.

Datum:

05.12.2025

von Sara Theile, Heilpraktikerin für Psychotherapie

Migräne ist weit mehr als „nur“ Kopfschmerz. Viele Betroffene erleben sie als massiven Eingriff in ihr Leben. Doch was, wenn Migräne nicht nur ein neurologisches Phänomen ist, sondern mit frühen traumatischen Erfahrungen zusammenhängt?

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Trauma – insbesondere frühem Trauma – wird zunehmend wissenschaftlich untersucht. Ein zentraler Faktor dabei ist der Zustand der Erstarrung im Nervensystem.

Viele Menschen mit Migräne kennen dieses Gefühl: Der Körper zieht sich zurück, alles wird still, nichts bewegt sich mehr – innerlich wie äußerlich. Diese tiefe Erschöpfung oder Starre fühlt sich an, als würde das Leben kurzzeitig anhalten.

Doch genau das ist oft kein Zufall, sondern kann auf eine frühe Traumareaktion des Nervensystems zurückgehen: die Erstarrung.

Lies jetzt den dritten Teil meiner Reihe Migräne und frühes Trauma – Wie Erstarrung Schmerzen auslösen kann

Sara schaut nach unten auf ein Foto von einer gefrorenen Eisfläche, Migräne Sketchnote auf der anderen Seite :Figur hält sich den Kopf vor Schmerzen

Was bedeutet Erstarrung im Nervensystem bei Trauma?

Wenn der Körper Gefahr wahrnimmt, läuft im Nervensystem immer das gleiche Programm ab: Kampf, Flucht oder Erstarrung.


Kampf bedeutet Aktivität: „Ich setze mich zur Wehr.“ Flucht bedeutet Bewegung: „ich entkomme der Situation.“ Doch wenn weder Kampf noch Flucht möglich sind, schaltet das Nervensystem in den Überlebensmodus: Erstarrung.

Das System drosselt alle Funktionen auf ein Minimum, um Energie zu sparen und Schmerz oder Angst nicht mehr fühlen zu müssen. Es ist eine Form von innerer Betäubung, die in lebensbedrohlichen Momenten überlebenswichtig ist.

Auch emotionale Verletzungen und eine fehlende Bindung in der Kindheit, kann vom Körper als lebensbedrohlich wahrgenommen werden. Das sind dann die Erstarrungsreaktionen, die auch im Erwachsenenalt noch nachwirken bzw. immer wieder ausgelöst werden können.

Wie frühe Traumata Erstarrung im Körper hinterlassen

Ein klassisches Beispiel für frühes Trauma ist das schreiende Baby, das keine Antwort bekommt. Es ruft nach Nähe, nach Sicherheit, doch niemand kommt. Nach einer Weile gibt der Körper auf. Das Baby kann weder kämpfen noch fliehen, also bleibt nur eines: Erstarren.

Nach außen wirkt das ruhig, fast friedlich. Doch unter der Oberfläche tobt Not, Verzweiflung und ein massiver Stresszustand. So entsteht die tief gespeicherte Erfahrung:
„Meine Bedürfnisse werden nicht gesehen. Ich bin auf mich allein gestellt.“

Diese Prägung bleibt als Körpererinnerung bestehen. Im Erwachsenenalter zeigt sie sich in Situationen, in denen du dich übergangen, nicht ernst genommen oder emotional allein fühlst. Dein System reagiert dann nicht mit Wut oder Flucht, sondern mit innerer Starre.

Jetzt denkst du vielleicht an den Begriff der Erlernten Hilflosigkeit, also die innere Überzeugung den eigenen Zustand nicht beeinflussen zu können.

Wusstest du, dass der Begriff mittlerweile korrigiert wurde?
In der Wikipedia heißt es: „2016 wurde das Konzept der erlernten Hilflosigkeit von Steve F. Maier (University of Colorado) und Martin Seligman korrigiert. Passivität als Reaktion auf einen Schock wird demzufolge nicht erlernt, sondern ist die standardmäßige, ungelernte Reaktion auf längere aversive Ereignisse.[8]„

Das bedeutet, die Verletzung ist entscheidend. Wenn du also nicht selbst herauskommst aus deinem Leiden und das Gefühl hast, du kannst nicht gut für dich einstehen und dich eben nicht gut wehren, dann kannst du das nicht einfach wieder neu lernen durch Gedankenänderung oder ähnliches.

Für mich ist diese Korrektur des Begriffs eine Bestätigung meiner Erfahrung: Es gibt gute Gründe für deine Symptome, die dir Leid bringen. Diese Gründe kannst du zuerst erforschen ohne dir den Druck machen zu müssen, dass du ja die falschen Glaubenssätze oder Überzeugungen gelernt hast.

Nein, du musstest ein Schutzsystem entwickeln, um die seelische Verletzung oder den Schock aushalten zu können.

Unterschied zwischen Stress, Trauma und chronischer Migräne

Wenn Entspannungstechniken nicht mehr funktionieren und du einen hohen Leidesdruck hast, ist es wichtig dir den Unterschied zwischen Stress und Trauma bewusst zu machen.

Stress oder Trauma?

Wenn du Stress hast ist das vorübergehend. Natürlich kennen wir alle herausfordernde Zeiten, in denen wir Termine und Aufgaben jonglieren müssen. Auch Konflikte im Arbeitsumfeld oder mit dem Partner können uns stressen.

Stress gehört auch für unser Nervensystem dazu. Wenn wir arbeiten, hoch konzentriert sind oder Sport treiben signalisiert unser Nervensystem dem Körper Aktivität. Auch kurzzeitige Alarmsignale sind ganz natürlich.

In entspannten Phasen des Tages und in der Nacht fährt das Nervensystem runter und im Ruhemodus kann der Körper verdauen, regenerieren und sich erholen. Das ist die Natur unseres Nervensystems und für alle Körperfunktionen wichtig.

Wenn du allerdings schwer runterfahren kannst und dich anstrengen musst Entspannungstechniken in deinen Alltag einzubauen, kann das ein Zeichen für Trauma statt Stress sein.

Es ist die dauerhafte innere Anspannung, die Nervosität und das Gefühl „Es ist mir alles zu viel“, das auf Trauma hinweist.
Dann musste nicht nur dein Nervensystem lernen in Hab-Acht-Stellung zu sein. Dann ist dein Grundspannungslevel im Körper höher las bei gestressten Menschen. Von diesem Grundspannungslevel aus, ist es viel schwerer runterzufahren und dein Körper kommt nicht mehr in den erholsamen Ruhemodus.
Die natürliche welle von Anspannung und entspannung im Nervesytem grafisch dargestellt. Normales grundspannungslevel und erhöhtes Grundspannungslevel eingezeichnet.

Das Nervensystem kann gleichmäßig in die Anspannung als auch in die Entspannung gehen. Bei einer erhöhten Grundspannung ist der Körper im Daueralarm und kann nur schwer runterfahren.

Wenn chronische Migräne von Trauma beeinflusst wird

Meine Klientinnen beschreiben oft diese ständige Anspannung innerlich. Wenn die Migräne sich ankündigt, dann meist über den verspannten Nacken. Das kann mehr als nur Stress sein. Migräne Betroffene sollen ihren Stress im Blick behalten, den Alltag strukturieren, Zeit für Entspannung und Bewegung einplanen. Doch was, wenn du das schon alle machst und du trotzdem noch sehr unter der Migräne leidest.

Der Zusammenhang zwischen Migräne und Trauma wird zunehmend in den Blick genommen. Die Migräne Liga schreibt: „Fast jeder vierte Migräne-Betroffene weist eine Posttraumatische Belastungsstörung auf.“

Migräne und Trauma: Anzeichen

Viele Menschen mit Migräne oder chronischen Schmerzen beschreiben genau diese Zustände:
Sie können in Konflikten nicht reagieren oder fühlen sich plötzlich „wie gelähmt“.

Sie wissen, was sie sagen wollten, aber erst nachdem die Situation vorbei ist.

Sie erleben Resignation: „Da hilft ja sowieso nichts mehr.“
All das sind Anzeichen einer alten Erstarrungsreaktion, die nicht nur dein Nervensystem immer noch für notwendig hält, um dich zu schützen. Denn auch da wo die Verletzung passiert ist, auf der emotionalen Ebene sitzen diese frühen Traumata.

Erstarrung und Migräne – Zusammenhang

In der Migräne zeigt sich diese Erstarrung oft körperlich. Spannung im Nacken, Kopfdruck, die Unfähigkeit, sich zu bewegen oder zu sprechen: der Körper zieht sich komplett zurück.

Hinter dieser Starre steckt oft eine emotionale Botschaft:
„Ich darf mich nicht wehren. Ich darf nichts brauchen. Ich darf nicht sichtbar sein.“

Dein KörperGefühl Schutzsystem schützt dich, indem es dich aus dem Kontakt mit diesen Gefühlen herausholt. Doch das kostet enorme Energie und kann Migräneattacken begünstigen oder verstärken.

Bevor die Erstarrung kommt, fragt dein Körper sich zuerst, ob kämpfen oder fliehen möglich ist.

Lies auch Teil 1 und 2 meiner Reihe Migräne und frühes Trauma – Wie alte Muster den Körper in den Kampfmodus bringen.

Therapie Ansätze bei Migräne und Trauma

Erstarrung aufzulösen heißt nicht, sie „wegzumachen“. Sie war einmal ein Schutz und darf zunächst verstanden werden. Wenn du bemerkst, dass du innerlich starr wirst, versuche nicht, dich sofort zu entspannen. Spüre stattdessen: „Aha, mein Körper schützt mich gerade.“

In der Emotionsarbeit lernst du, diesen Moment bewusst wahrzunehmen, ohne dich zu überfordern. Es geht darum, wieder kleine Bewegungen, Atem und Körperempfindungen zuzulassen, die dir trotz Traumareaktionen des Körpers Selbstwirksamkeit zurückgeben.

Kann sich Migräne durch Trauma-Arbeit verbessern?

Wenn wir mit Trauma arbeiten, arbeiten wir mit Emotionen. Wenn sich diese unverarbeiteten Emotionen langsam zeigen, dürfen und du lernst mit ihnen zu sein und sie zu begleiten, dann entsteht eine neue Beziehung zu dir selbst und deinen Symptomen.

Meine Klientinnen berichten von eindeutigen Verbesserungen in Dauer und Intensität ihrer Migräne Attacken.

Das kann und darf ich an dieser Stelle natürlich nicht Versprechen. Niemand kann die Migräne verschwinden lassen. Was sich jedoch verändern kann ist dein Erleben vor, während und nach der Migräne.

Meine Klientin Caroline erzählt hier wie Migräne ihren Schrecken verlieren kann.

Es lohnt sich in jedem Fall die Emotionen, die in einem möglichen Trauma verborgen sind kennenzulernen, damit der alte Überlebensmodus deines Körper unterbrochen werden kann.

Was du tun kannst – dein Einstieg in die Emotionsarbeit

Wenn du dich oft kraftlos, erstarrt oder resigniert fühlst, erinnere dich: Das ist kein Versagen, sondern eine gespeicherte Schutzreaktion deines Körpers. Du darfst lernen, sie Schritt für Schritt zu lösen: sanft, mit Geduld und Mitgefühl.

Ein liebevoller Einstieg in diese Arbeit ist mein Sanfter Selbsttest „Ist deine Migräne emotional bedingt?“

Lass uns Leben statt Durchhalten!

Deine Sara

Sara mit Kapuze im Winter

Über Sara Theile

Sara Theile ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hilft Menschen, die mit ihren chronischen Schmerzen und Migräne schon alles versucht haben durch körperorientierte Emotionsarbeit mit dem inneren Kind einen neuen Umgang mit den Symptomen zu erlernen, um wieder Kraft für die schönen Dinge des Lebens zu haben. Sara teilt ihre Mission den Zusammenhang zwischen frühen Erfahrungen und emotionalen Verletzungen und chronischen Schmerzen bewusst zu machen. Mehr über Sara findest du auf der ÜBER MICH-Seite im Menü.

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