Migräne und Psyche: Was unterdrückte Wut mit deinen Grenzen zu tun hat
Migräne und Psyche: Entdecke, wie Wut, Selbstwert und Grenzen dein Erleben beeinflussen können.
Datum:
19.10.2026
Kategorien:
von Sara Theile, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Tanzpädagogin und Bindungsberaterin
KI-Info: Dieser Artikel wurde aus dieser Podcastfolge mithilfe von KI verschriftlicht.
Wo ist deine Aggression geblieben? Ganz besonders dann, wenn du Migräne hast?
Aggression ist eine ganz gesunde Emotion. Sie gehört zum Menschsein dazu. Sie hilft uns, unsere Grenzen wahrzunehmen und zu verteidigen. Aber was passiert, wenn wir schon als Kinder gelernt haben, dass Wut nicht erwünscht ist? Wenn wir erfahren haben, dass wir nicht mehr lieb gehabt werden, sobald wir widersprechen oder Nein sagen?
Vielleicht fällt es dir heute schwer, deine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Vielleicht sagst du Ja, obwohl du Nein meinst. Und vielleicht machst du dir während einer Migräneattacke zusätzlich Vorwürfe, weil du gerade nicht funktionieren kannst.
In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Migräne und Psyche in deinem Erleben zusammenhängen können, warum unterdrückte Wut und alte Beziehungserfahrungen eine Rolle spielen können und wie du lernen kannst, deine Grenzen und Bedürfnisse wieder besser wahrzunehmen. Dabei geht es nicht darum, Migräne auf psychische Ursachen zu reduzieren, sondern darum, dich selbst besser zu verstehen und mitfühlender mit dir umzugehen.

Aggression ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes
Aggression gehört zu unseren grundlegenden menschlichen Reaktionen. Sie ist eng mit unseren Kampf- und Fluchtinstinkten verbunden und hat eine wichtige Funktion.
Trotzdem wird Aggression häufig mit etwas Negativem gleichgesetzt. Wir wollen nicht, dass Kinder aggressiv sind. Wir wollen, dass sie lieb und brav sind, sich anpassen und funktionieren.
Vor Kurzem habe ich im Radio einen Beitrag gehört, in dem es darum ging, dass kleine Kinder zunehmend gewalttätig seien. Kinder würden andere Kinder angreifen, Erzieherinnen kratzen und beißen. Als Erklärung wurde unter anderem angeführt, dass Eltern ihren Kindern zu wenig Grenzen setzen würden.
Und da habe ich mich gefragt: Schauen wir eigentlich genau genug hin?
Ich habe mir direkt Jesper Juuls Buch „Aggression“ zur Hand genommen und mich in meinem Unbehagen zu diesem Radiobericht bestätigt gefühlt.
Natürlich müssen Kinder lernen, mit ihrer Wut und Aggression konstruktiv umzugehen. Und natürlich müssen wir andere Kinder schützen, wenn ein Kind haut oder beißt.
Aber kleine Kinder können ihre Impulse noch nicht so steuern wie Erwachsene. Sie müssen erst lernen, die Perspektive anderer einzunehmen und die Folgen ihres Handelns einzuschätzen.
Wenn ein kleines Kind kratzt, weil es wütend ist, ist es absolut kontraproduktiv, ihm zu sagen: „Das darfst du nicht! Du bist ein böses Kind!“
Wir können das Kind aus der Situation nehmen, damit niemand verletzt wird, und gleichzeitig versuchen zu verstehen, was gerade los ist.
Vielleicht wollte das Kind mitspielen. Vielleicht musste es etwas beenden, obwohl es noch gar nicht fertig war. Vielleicht war ihm etwas zu viel.
Das Kind kann uns das möglicherweise noch gar nicht erklären. Trotzdem können wir versuchen, seine Gefühle und seine Situation wahrzunehmen.
Denn aggressives Verhalten kann auch ein Kommunikationsversuch sein. Ein Ausdruck davon, dass etwas nicht stimmt. Lies dazu auch Ist Erziehung Gewalt? – Wie Entwicklungstrauma entsteht.
Diesen Hilferuf überhören wir manchmal, wenn wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, das Verhalten abzustellen.
Wie unterdrückte Wut unser Selbstwertgefühl beeinflussen kann
Was ich an Jesper Juuls Buch besonders berührend finde, ist dieser Gedanke: Wir Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis, für andere Menschen wertvoll zu sein. Ganz besonders für die Menschen, die uns nahestehen.
Wir sprechen häufig vom Selbstwertgefühl. Wir denken daran, dass wir selbst erkennen sollen, was wir können, was wir leisten und was uns ausmacht.
Aber es geht auch darum, in Beziehungen zu erfahren: Ich bin wertvoll für dich. Ich bin dir wichtig. Du siehst mich.
Das ist für Kinder besonders wichtig.
Wenn ein Kind wütend wird, Nein sagt oder sich gegen etwas wehrt, braucht es Erwachsene, die ihm helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Es braucht vor allem die Erfahrung, dass es als Mensch weiterhin angenommen wird.
Wenn ein Kind immer wieder erlebt, dass seine Gefühle nicht erwünscht sind, kann etwas anderes bei ihm ankommen als die eigentliche Botschaft.
Es hört vielleicht nicht mehr: „Dieses Verhalten ist gerade nicht in Ordnung.“
Sondern es hört innerlich: „Mit mir stimmt etwas nicht.“ Weil Kinder alles persönlich nehmen.
Und das ist ein großer Unterschied.
Wenn ich als Kind immer wieder erlebe, dass ich mit meiner Wut anecke, zu laut bin oder Schwierigkeiten mache, kann ich irgendwann anfangen, mein Verhalten mit meinem Wert als Mensch zu verknüpfen.
Dann denke ich vielleicht: Wenn ich wütend bin, bin ich nicht mehr liebenswert. Wenn ich widerspreche, werde ich ausgeschlossen. Wenn ich Nein sage, enttäusche ich jemanden.
Wenn ich unbedingt darauf angewiesen bin, dass meine Bezugspersonen mich lieben und für mich da sind, kann es sich existenziell bedrohlich anfühlen, diese Verbundenheit zu verlieren.
Also versuche ich, mich anzupassen.
Ich werde lieb. Ich mache es anderen recht. Ich passe auf, dass es Mama gut geht. Vielleicht übernehme ich sogar Verantwortung für die Gefühle meiner Eltern.
Und meine eigene Wut? Die darf irgendwann nicht mehr da sein.
Warum es uns als Erwachsene schwerfällt, Nein zu sagen
Wenn wir solche Erfahrungen gemacht haben, nehmen wir sie häufig mit ins Erwachsenenleben.
Bestimmt kennst du das: Du merkst eigentlich, dass dir etwas zu viel ist. Du möchtest Nein sagen. Du bist wütend, weil jemand deine Grenze überschreitet.
Und trotzdem sagst du Ja.
Du möchtest niemanden enttäuschen. Du möchtest keinen Streit. Du hast Angst, dass der andere sauer auf dich sein könnte oder dich nicht mehr mag.
Vielleicht merkst du erst viel später, wie wütend du eigentlich bist.
Oder du kritisierst deinen Partner, bist ständig genervt und ärgerst dich darüber, dass er dich nicht versteht oder bestimmte Dinge nicht macht.
Manchmal bricht die Wut irgendwann auch richtig aus uns heraus. Dann sagen wir Dinge, die verletzen, oder reagieren viel heftiger, als wir es eigentlich wollten.
Das bedeutet nicht, dass wir andere Menschen verletzen dürfen oder keine Verantwortung für unser Verhalten tragen. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was hinter solchen Reaktionen steckt.
Wenn wir nie gelernt haben, unsere Gefühle auf eine Weise auszudrücken, die sich für uns sicher anfühlt, kann es schwierig sein, das plötzlich als Erwachsene zu können.
Vielleicht ist schon die Vorstellung, dass unser Gegenüber sauer werden könnte, mit einer großen Angst verbunden.
Dann erleben wir einen Streit nicht einfach als Meinungsverschiedenheit, bei der zwei Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Sondern wir fühlen uns sofort bedroht. Ich kenne das sehr gut aus meiner Beziehung zu der Zeit als ich noch nicht mit Emotionsarbeit beschäftigt habe.
Vielleicht taucht der Gedanke auf: Jetzt ist alles vorbei. Jetzt werde ich abgelehnt. Jetzt bin ich nicht mehr wichtig.
Dann geht es nicht mehr nur um die aktuelle Situation. Sie berührt etwas, das viel älter ist.
Unsere Reaktionen können Schutzreaktionen sein. Wir versuchen, uns vor einer Verletzung zu schützen, die sich für uns früher einmal sehr bedrohlich angefühlt hat.
Migräne und Psyche: Was hat deine Wut mit deinem Erleben zu tun?
Jetzt möchte ich die Verbindung zu meiner Arbeit mit Frauen mit Migräne herstellen.
Wenn ich Frauen begleite, schauen wir uns nicht nur an, was sie während einer Migräneattacke körperlich erleben. Wir schauen auch darauf, was emotional in ihnen passiert.
Dabei beschäftigt mich eine Beobachtung aus meiner Praxis immer wieder.
Wenn wir die Migräne in der inneren Vorstellung wie ein Wesen beschreiben würden, dann begegnet sie manchen Frauen mit einer unglaublichen Härte.
Es tauchen Bilder und innere Sätze auf wie:
„Ich mache dich platt.“
„Ich mache dich nieder.“
„Ich quäle dich.“
Das sind sehr gewaltvolle innere Erfahrungen.
Wenn du eine Migräneattacke hast, fühlst du dich möglicherweise ohnehin schon hilflos und ausgeliefert. Du kannst nicht einfach weitermachen. Du musst dich hinlegen. Vielleicht kannst du nicht arbeiten, dich nicht um deine Familie kümmern oder das tun, was du dir vorgenommen hast.
In dieser Situation wäre es eigentlich hilfreich, wenn in dir auch eine Seite da wäre, die Mitgefühl mit dir hat.
Eine Seite, die sagt: „Das ist gerade wirklich schlimm. Ich kümmere mich um dich. Du darfst Hilfe brauchen. Du darfst Verständnis erwarten.“
Aber genau das fehlt manchen Frauen in diesen Momenten.
Stattdessen kommen Selbstvorwürfe dazu.
Du denkst vielleicht, dass du jetzt nicht schon wieder ausfallen darfst. Dass du dich nicht schon wieder krankmelden kannst. Dass du eigentlich funktionieren müsstest.
Und dann machst du dich innerlich zusätzlich fertig.
Auf der einen Seite ist da die Hilflosigkeit. Du bist der Migräne ausgeliefert und kannst gerade wenig tun.
Auf der anderen Seite ist da eine innere Stimme, die dich antreibt, kritisiert und abwertet.
Und ich frage mich: Wo ist in dieser Situation eigentlich deine gesunde Aggression geblieben?
Wo ist die Seite in dir, die sagen darf: „Nein. So geht es gerade nicht. Ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause. Ich möchte nicht, dass immer alles an mir hängen bleibt.“
Unterdrückte Wut und persönliche Grenzen: Was wir in der Kindheit lernen
In meiner Arbeit begegnet mir immer wieder das Thema, dass Frauen schon sehr früh gelernt haben, auf ihre Eltern zu achten.
Vielleicht haben sie gespürt, dass es Mama nicht gut geht. Vielleicht haben sie versucht, die Stimmung zu Hause nicht noch schwieriger zu machen. Vielleicht hatten sie das Gefühl, selbst dafür verantwortlich zu sein, dass es den Eltern einigermaßen gut geht.
Wenn ich als Kind emotional damit beschäftigt bin, mich um andere zu kümmern, bleibt möglicherweise wenig Raum für meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse.
Und dann kommt die natürliche Entwicklung des Kindes hinzu: Irgendwann beginnt es, sich abzugrenzen. Es entdeckt seinen eigenen Willen. Es sagt Nein. Es möchte selbst entscheiden.
Das ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt.
Aber was passiert, wenn dieses Nein nicht erwünscht ist?
Wenn das Kind zu hören bekommt, dass es frech ist, sich nicht so anstellen soll oder den Eltern nicht auf der Nase herumtanzen darf?
Wenn es erlebt, dass seine Wut die Beziehung gefährdet?
Dann kann es anfangen, seine natürliche Aggression zu unterdrücken.
Es lernt vielleicht: Ich darf nicht wütend sein. Ich darf nichts verlangen. Ich muss Rücksicht nehmen. Ich muss dafür sorgen, dass es den anderen gut geht.
Und das kann dazu führen, dass wir auch als Erwachsene unsere eigenen Grenzen nicht mehr richtig wahrnehmen oder sie zumindest nicht ernst nehmen.
Ich spreche deshalb lieber davon, Grenzen zu haben, als Grenzen zu setzen.
Denn Grenzen sind zunächst etwas, das wir in uns wahrnehmen können.
Ich merke: Das ist mir zu viel. Das möchte ich nicht. Hier fühle ich mich verletzt. Das geht für mich gerade nicht.
Diese Wahrnehmung dürfen wir anderen Menschen mitteilen.
Das bedeutet nicht, dass wir immer unseren Willen bekommen müssen. Es bedeutet auch nicht, dass andere Menschen keine eigenen Grenzen haben dürfen.
Es bedeutet, dass unsere Gefühle und Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die der anderen.
Und genau das dürfen wir wieder erfahren.
Wenn sich Wut gegen uns selbst richtet
Wenn wir als Kinder verinnerlicht haben, dass unsere Wut gefährlich für die Beziehung ist, kann es sein, dass wir diese Aggression in uns „verstauen“.
Sie verschwindet nicht. Aber wir finden andere Wege, mit ihr umzugehen.
Vielleicht richten wir sie gegen uns selbst.
Wir kritisieren uns ständig. Wir machen uns Vorwürfe. Wir verlangen von uns, dass wir alles schaffen, und geben uns die Schuld, wenn etwas nicht funktioniert.
Wir sind besonders streng mit uns, wenn wir Bedürfnisse haben, eine Pause brauchen oder etwas nicht leisten können.
Bei Frauen mit Migräne beobachte ich, dass diese Härte gegen sich selbst ein wichtiges Thema sein kann.
Vielleicht ist da eine Seite in dir, die dich während einer Attacke innerlich niederzumachen scheint. Gleichzeitig gibt es eine andere Seite, die einfach nur Ruhe braucht, sich nach Verständnis sehnt und nicht mehr kann.
Wenn wir uns diese beiden Seiten anschauen, kann etwas Entscheidendes passieren.
Wir können anfangen zu verstehen, dass wir nicht falsch waren, weil wir als Kinder wütend waren.
Unsere Wut war zunächst einmal eine natürliche Reaktion. Vielleicht wollten wir uns abgrenzen. Vielleicht wollten wir etwas anderes. Vielleicht war uns etwas zu viel oder wir fühlten uns nicht gesehen.
Das war nicht falsch.
Und wenn wir damals verletzt wurden, weil wir diese Gefühle ausgedrückt haben, dann war das nicht automatisch unsere Schuld.
Dieser Blick auf die eigene Kindheit kann sehr entlastend sein. Nicht, weil damit plötzlich alles gut ist, sondern weil wir aufhören können, uns für unsere damaligen Gefühle zu verurteilen.
Wie du lernst, deine Wut und Bedürfnisse wahrzunehmen
Jetzt könntest du natürlich sagen: Gut, dann muss ich meine Wut eben gesünder ausdrücken. Ich muss lernen, Nein zu sagen und meine Grenzen zu setzen.
Aber so einfach funktioniert es häufig nicht.
Wenn du über viele Jahre gelernt hast, dass ein Nein gefährlich ist, reicht es nicht unbedingt, dir vorzunehmen, ab jetzt anders zu reagieren.
Denn möglicherweise ist mit deinem Nein eine große Angst verbunden.
Die Angst, jemanden zu enttäuschen. Die Angst, abgelehnt zu werden. Die Angst, nicht mehr wichtig zu sein oder am Ende allein dazustehen.
Deshalb finde ich es so wichtig, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern auch auf die Gefühle, die damit verbunden sind.
Du kannst dich zum Beispiel fragen:
- Wann möchte ich eigentlich Nein sagen?
- In welchen Situationen merke ich, dass mir etwas zu viel wird?
- Was hält mich davon ab, meine Grenze auszusprechen?
- Was befürchte ich, könnte passieren, wenn ich es trotzdem tue?
Vielleicht bemerkst du dabei, dass es gar nicht nur um die aktuelle Situation geht. Vielleicht taucht eine alte Angst auf. Vielleicht kennst du das Gefühl, es anderen recht machen zu müssen, schon sehr lange.
Dann geht es nicht darum, dich dazu zu bringen, mutiger zu sein oder dich noch mehr anzustrengen.
Es geht darum, diese Angst und die damit verbundenen Gefühle ernst zu nehmen.
In der körperorientierten Emotionsarbeit schauen wir genau auf solche inneren Erfahrungen. Wir versuchen zu verstehen, was in uns passiert, welche Gefühle auftauchen und welche inneren Anteile vielleicht schon sehr früh gelernt haben, dass sie sich anpassen müssen.
So kann nach und nach mehr Klarheit entstehen.
Du bemerkst vielleicht früher, dass du eigentlich wütend bist. Du erkennst, dass hinter deiner Anspannung auch Angst steckt. Du kannst besser unterscheiden, was gerade in der aktuellen Situation passiert und welche alten Erfahrungen möglicherweise mitberührt werden.
Und irgendwann kann es leichter werden, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken.
Nicht, weil du dir das einfach vorgenommen hast, sondern weil du besser verstehst, was dich bisher davon abgehalten hat.
Migräne besser verstehen: Was emotionale Selbstfürsorge bewirken kann
Wenn wir uns die emotionale Seite der Migräne anschauen, geht es nicht darum, die Migräne als eingebildet oder ausschließlich psychisch bedingt zu betrachten.
Migräne ist eine ernst zu nehmende neurologische Erkrankung.
Aber wir können zusätzlich untersuchen, was eine Attacke emotional mit dir macht und wie du innerlich mit dir umgehst, wenn du Schmerzen hast.
Vielleicht bemerkst du, dass du dich während einer Attacke nicht nur körperlich schlecht fühlst, sondern dich zusätzlich unter Druck setzt.
Vielleicht erkennst du, wie streng du mit dir bist. Oder dass du dir kaum erlaubst, Hilfe anzunehmen und deine Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Wenn wir diese Zusammenhänge besser verstehen, kann sich auch dein Umgang mit der Migräne verändern. Schau dir dazu mein kostenloses Videotraining „Raus aus dem Migräne Teufelskreis“ an.
Ich bekomme von Klientinnen Rückmeldungen, dass sich ihre Beschwerden verändert haben, dass sie weniger darunter leiden oder dass einzelne Attacken kürzer geworden sind.
Eine Klientin, Marina, hat mir beispielsweise erzählt, dass ihre Migräne früher drei Tage gedauert hat und sie inzwischen teilweise nach vier oder sieben Stunden wieder aus der Attacke herauskommt.
Sie hat weiterhin Migräne, und natürlich ist das nach wie vor belastend für sie. Aber für sie ist diese Veränderung ein großer Gewinn.
Solche Erfahrungen berühren mich sehr.
Sie sind keine Garantie dafür, dass sich die Migräne bei anderen Menschen genauso verändert. Und es geht auch nicht darum, dir zu vermitteln, du müsstest nur deine Emotionen bearbeiten, damit deine Migräne verschwindet.
Mir ist wichtig, dass du dich selbst besser verstehen lernst und einen anderen Umgang mit deinen inneren Erfahrungen entwickeln kannst.
Dass du nicht zusätzlich zu den Schmerzen auch noch gegen dich selbst kämpfen musst.
Und dass du wieder mehr Raum dafür findest, deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Wo ist deine gesunde Aggression geblieben?
Ich möchte dich deshalb einladen, einmal genauer hinzuschauen.
Welche Emotionen werden bei dir während einer Migräneattacke ausgelöst?
Ist da Hilflosigkeit? Verzweiflung? Wut? Vielleicht auch Angst oder das Gefühl, ausgeliefert zu sein?
Und wenn du diese Gefühle wahrnimmst, wie gehst du dann mit dir um?
Wirst du mitfühlend mit dir? Oder gibt es eine innere Stimme, die dich antreibt, kritisiert und dir Vorwürfe macht?
Und dann möchte ich dir noch eine weitere Frage mitgeben:
Wo ist deine gesunde Aggression geblieben?
Wo möchtest du eigentlich Nein sagen, tust es aber nicht?
Wo merkst du, dass dir etwas zu viel ist, und machst trotzdem weiter?
Und was befürchtest du, könnte passieren, wenn du deine Grenze zeigst?
Du musst diese Fragen nicht sofort beantworten können. Vielleicht nimmst du sie einfach mit in deinen Alltag und beobachtest, was dir auffällt.
Denn deine Wut ist nicht automatisch etwas Schlechtes. Sie kann dir zeigen, dass etwas für dich nicht stimmt, dass du eine Grenze hast oder dass ein Bedürfnis von dir zu kurz kommt.
Es geht nicht darum, jede Aggression ungefiltert auszuleben. Es geht darum, wieder einen Zugang zu diesem Teil von dir zu bekommen und zu verstehen, was er dir sagen möchte.
Vielleicht darfst du entdecken, dass du als Kind nicht falsch warst, weil du wütend warst.
Genau dort beginnt für mich ein wichtiger Teil der inneren Arbeit: nicht länger gegen sich selbst zu kämpfen, sondern sich selbst besser zu verstehen.
Deine Sara
Leben statt Durchhalten!
