Migräne und Depression: Was, wenn Stress nicht das eigentliche Problem ist?

Welche Emotionen sind eigentlich mit deiner Migräne verbunden? Was hat deine psychische Belastung möglicherweise mit früheren Erfahrungen zu tun? Und was, wenn es noch eine Ebene gibt, die du bisher gar nicht gesehen hast?

Datum:

05.10.2026

KI-Info: Dieser Artikel wurde aus einem Transskript dieser Podcastfolge erstellt.

Wenn du Migräne hast, neigst du dazu, eine Depression zu entwickeln. Das ist mittlerweile sehr gut erforscht: Die Belastung durch Migräne, die empfundene psychische Belastung, kann sehr häufig auch zu einer Depression führen. Menschen mit Migräne haben deshalb statistisch gesehen auch häufiger eine Depression.

 

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie interessiert mich das natürlich ganz besonders. Denn wenn ich schaue, was dazu häufig empfohlen wird, lande ich schnell beim Thema Stress.

Du hast einen Stressfaktor, empfindest Stress und dieser Stress kann wiederum ein Migräneauslöser sein. Wenn du Migräne hast, bist du psychisch belastet und kommst vielleicht in eine Depressionsschleife. Dadurch bist du wiederum anfälliger für Stress und so weiter.

Und wenn ich das Wort Stress höre, möchte ich immer fragen: Ja, was ist denn eigentlich Stress?

Denn das ist häufig gar nicht das, was wir so denken.

Was steckt hinter dem Stress?

Wenn dein Migräne-Gehirn sehr reizempfindlich ist, dann neigen wir schnell dazu zu sagen: „Okay, ich bin nun mal so empfindlich. Mein Gehirn nimmt die Reize anders und viel feiner wahr. Natürlich reagiert es dann auch schneller.“

Aber da möchte ich einmal genauer hinschauen: Was ist denn diese Reaktion?

Wir behandeln nämlich sehr gerne die Reaktion. Das Nervensystem ist überreizt, also wollen wir es herunterregulieren. Vielleicht aufgrund von Hochsensibilität, aufgrund von Migräne oder vielleicht auch aufgrund früher traumatischer Erfahrungen.

Und natürlich können Regulationsübungen in akuten Situationen hilfreich sein. Sie können eine Linderung bringen.

Aber aus meiner Erfahrung ist das noch nicht unbedingt ein Heilungsweg.

Denn irgendwann kannst du dir selbst vielleicht ganz anders begegnen und an einen Punkt kommen, an dem du sagen kannst:

Die Migräne ist zwar da, aber sie belastet mich nicht mehr so.

Und genau diesen Faktor blenden wir häufig aus.

Denn da ist die Migräne, da ist die unheilbare Krankheit und der Gedanke: „Ich kann nichts machen. Ich kann nur lernen, damit umzugehen.“

Aber was ist, wenn es abseits von diesem „Ich muss damit umgehen“ noch ganz viel gibt?

Welche Emotion steckt hinter deiner Migräne?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch auf der emotionalen Ebene ansetzen können.

Du könntest dich zum Beispiel einmal fragen:

Welche Emotion ist eigentlich stark da, wenn die Migräne kommt oder wenn du an deine Migräne denkst?

Ganz oft sind da Hilflosigkeit und Resignation. Oder Wut. Oder der Gedanke:

„Ich halte es nicht mehr aus.“

Und auch diese Emotionen können in einen Kreislauf führen.

Vielleicht kennst du den Angst-Schmerz-Kreislauf. Eine Migräneattacke kann so schlimm sein, dass du Angst vor der nächsten Attacke entwickelst. Du weißt nicht, wann sie kommt und wie schlimm sie wird.

Und diese Angst kann wiederum die Schmerzen und Symptome während der Migräne verstärken.

Deshalb finde ich es wichtig, nicht nur allgemein von „Stress“ oder „Angst“ zu sprechen, sondern ganz individuell zu schauen:

Was genau ist die emotionale Belastung bei deiner Migräne?

Nicht bei Migräne im Allgemeinen. Sondern bei deiner Migräne.

Was, wenn all die Dinge, die du ausprobierst, nicht helfen?

Ich habe in meiner Umfrage auch gefragt, was Menschen alles für ihre Migräne tun.

Genannt wurden zum Beispiel Akupunktur, Physiotherapie, Osteopathie, Ernährungsumstellungen und Entspannungstechniken.

Das sind alles Ansätze, die immer wieder empfohlen werden und die natürlich hilfreich sein können.

Aber auf meine Frage, was davon am meisten geholfen hat, kam bei einigen einfach:

„Alles nichts.“

Und dann passiert etwas, das ich problematisch finde.

Du denkst vielleicht: Ich muss es noch intensiver versuchen. Vielleicht muss ich noch mehr entgiften. Vielleicht muss ich noch mehr auf meine Ernährung achten. Vielleicht muss ich noch besser entspannen.

Und dadurch entsteht wieder dieser innere Druck:

Ich muss meine Migräne endlich in den Griff bekommen.

Du versuchst und versuchst und versuchst.

Aber vielleicht musst du gar nicht noch mehr tun.

Vielleicht geht es zunächst darum, einmal zu schauen:

Wie geht es mir eigentlich mit meiner Migräne?

„Ich muss besser auf mich achten“ kann selbst zum Druck werden

Wenn wir Migräne als großes, komplexes Gehirn- und Nervensystemthema betrachten, können wir uns natürlich viele Dinge anschauen: Auslöser, Stress, Reize, Pausen, Perfektionismus oder das Thema Grenzen.

Aber auch daraus kann wieder ein „Ich muss“ werden.

Ich muss mich besser regulieren.

Ich muss mehr Pausen machen.

Ich darf nicht mehr so perfektionistisch sein.

Ich muss öfter Nein sagen.

Ich muss besser auf mich achten.

Und wenn dahinter etwas sehr tief emotional verankert ist, funktioniert das oft nicht einfach durch eine Entscheidung.

Wenn du zum Beispiel ganz tief in dir abgespeichert hast, dass du nicht Nein sagen darfst oder dass du alles richtig machen musst, dann kannst du dir hundertmal vornehmen, es ab jetzt anders zu machen.

Du wirst immer wieder in die alten Muster rutschen.

Und dann bist du nicht unbedingt selbstwirksamer, sondern wieder in einem neuen Druck:

Ich muss mich noch besser kontrollieren.

Was hat das mit frühem Trauma zu tun?

Wenn du dich mit dem Nervensystem beschäftigst, hast du vielleicht schon einmal von frühem Trauma oder Bindungstrauma gehört.

Dabei geht es um Verletzungen wie:

„So wie ich bin, bin ich eigentlich gar nicht richtig willkommen.“

„Ich muss anders sein, damit ich mich sicher fühlen kann.“

„Ich muss mich anpassen, damit ich angenommen werde.“

Wenn das in der Kindheit wichtig war, können sich sehr feine Antennen entwickeln. Du nimmst die Stimmung anderer Menschen wahr, spürst, wie es deinem Partner geht, und weißt vielleicht sehr schnell, wie du darauf reagieren musst.

Das läuft teilweise völlig unbewusst ab.

Denn das war einmal ein wichtiger Schutz.

Und später merken wir häufig nur noch die Symptome:

Ich bin so perfektionistisch.

Das stresst mich.

Ich denke ständig über den Konflikt mit meinen Kollegen nach.

Ich muss das loslassen.

Wir versuchen dann, anders zu denken, anders zu fühlen oder anders zu reagieren.

Aber vielleicht liegt die eigentliche Ursache an einer ganz anderen Stelle.

Was, wenn die Reaktion einen Grund hat?

Wenn etwas, das früher nicht sein durfte, immer wieder unterdrückt wird, kostet das unglaublich viel Energie.

Als Kind durftest du vielleicht nicht so sein, wie du bist. Du musstest anders sein.

Und irgendwann wird dieser „Deckel“, den wir darauf gemacht haben, immer schwieriger unten zu halten.

Das läuft unbewusst ab.

Deshalb können wir nicht einfach sagen:

„Ich bin jetzt selbstbewusst und lasse das alles los.“

Wenn du dich heute in bestimmten Situationen gestresst fühlst, kann es sein, dass dein Körper auf etwas reagiert, das viel älter ist.

Und manchmal kann auch die Migräne mit dieser emotionalen Ebene verbunden sein.

Ich möchte das ausdrücklich nicht als allgemeingültige Erklärung für Migräne verstanden wissen. Das ist etwas, das individuell angeschaut werden muss. Aber aus meiner Erfahrung ist mit Migräne häufig sehr viel Emotionales verbunden, das tief irgendwo unten liegt.

Vielleicht gibt es noch eine Ebene, die du bisher nicht gesehen hast

Wenn du schon sehr viel ausprobiert hast und trotzdem das Gefühl hast, dass nichts wirklich hilft, kann es sich lohnen, einmal tiefer zu schauen.

Nicht nur:

Was muss ich verändern?

Was muss ich anders machen?

Was muss ich noch ausprobieren?

Sondern:

Was ist emotional wirklich da?

Was steckt dahinter?

Woher kommt diese starke Anspannung?

Was ist vielleicht die Verletzung, auf die mein Körper heute noch reagiert?

Denn was mir bewusst ist, kann ich verändern.

Was mir unbewusst ist, kann ich nicht einfach verändern.

Und manchmal kommen dabei überraschende Dinge heraus, mit denen du gar nicht gerechnet hast.

Das ist genau die Ebene, mit der ich in meiner Arbeit schaue.

Du musst nicht immer noch mehr tun

Vielleicht kennst du diese ganzen Empfehlungen:

Regulationsübungen.

Selbstliebe.

Andere Gedanken.

Mehr Entspannung.

Die Ernährung verändern.

Den Darm sanieren.

Das sind alles gute Dinge.

Aber manchmal kommen sie nicht an die eigentliche Stelle.

Vielleicht gibt es noch so etwas wie einen unentdeckten Keller.

Und wenn du diesen Keller entdecken möchtest, braucht es Mut. Denn dort kann etwas liegen, das du bisher nicht sehen konntest oder nicht sehen musstest.

Aber genau dort kann sich auch etwas bewegen.

Wenn du also das Gefühl hast:

„Ich strampel mich ab. Ich mache so viel. Und trotzdem komme ich nicht weiter.“

Dann möchte ich dich ermutigen, auch die emotionale Ebene anzuschauen.

Vielleicht gibt es noch etwas, das du bisher nicht gesehen hast.

Und vielleicht ist genau das die Tür, die du bisher noch nicht geöffnet hast. Mehr zum emotionalen Migräne Teufelskreis erfährst du in meinem kostenlosen Videotraining.

Deine Sara

Inhalte dieses Beitrags:

Über Sara Theile

Sara Theile ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hilft Menschen, die mit ihren chronischen Schmerzen und Migräne schon alles versucht haben durch körperorientierte Emotionsarbeit mit dem inneren Kind einen neuen Umgang mit den Symptomen zu erlernen, um wieder Kraft für die schönen Dinge des Lebens zu haben. Sara teilt ihre Mission den Zusammenhang zwischen frühen Erfahrungen und emotionalen Verletzungen und chronischen Schmerzen bewusst zu machen. Mehr über Sara findest du auf der ÜBER MICH-Seite im Menü.

0 Kommentare

Schreibe ein Kommentar

Ähnliche Beiträge