Hochsensibilität und Migräne: Bin ich hochsensibel oder ist mein Migräne-Gehirn besonders sensibel?
Hochsensibilität und Migräne: Warum du nicht einfach lernen musst, besser mit Reizen umzugehen.
Datum:
23.09.2026
Kategorien:
KI-Info: Dieser Artikel wurde aus einem Transskript dieser Podcastfolge erstellt.
Habe ich Migräne, weil ich hochsensibel bin?
Oder ist mein Migräne-Gehirn durch seine Besonderheit einfach hochsensibel?
Diese Frage beschäftigt mich gerade sehr.
Denn ich kenne beides: Migräne (von meinen Klientinnen) und das Gefühl, hochsensibel zu sein (von mir selbst).
Früher dachte ich tatsächlich: Ich bin hochsensibel. Und dann war da schnell diese Vorstellung:
Das ist eben mein Gehirn.
Ich muss lernen, mit den vielen Reizen umzugehen. Ich muss mich mehr zurückziehen, auf meine Grenzen achten und mich entsprechend anpassen.
Aber heute schaue ich da etwas anders auf Hochsensibilität und Migräne.

Was haben Hochsensibilität und Migräne gemeinsam?
Bei Hochsensibilität geht es unter anderem darum, dass Sinneseindrücke intensiver oder feiner wahrgenommen werden können.
Geräusche, Licht, Gerüche, aber auch ganz feine Dinge in der Umgebung.
Und genau das kennen viele Menschen mit Migräne ebenfalls. Das Migräne-Gehirn hat besondere Verarbeitungsmerkmale. Bestimmte Reize werden anders oder besonders fein wahrgenommen.
Diese besondere Wahrnehmung kann schnell zu einer Reizüberflutung führen. Und eine solche Reizüberflutung kann bei vielen Menschen mit Migräne wiederum ein Trigger für eine Attacke sein.
Da liegt die Verbindung zwischen Hochsensibilität und Migräne erst einmal sehr nahe.
Aber genau hier möchte ich nicht stehen bleiben.
Denn dann heißt es schnell:
„Das ist eben dein Gehirn. Du bist hochsensibel. Also musst du besser auf dich aufpassen.“
Genug schlafen. Reize vermeiden. Dich zurückziehen. Grenzen setzen.
Und natürlich kann das wichtig sein.
Aber es ist nicht immer so einfach.
Hochsensibilität ist mehr als eine starke Wahrnehmung
Denn Hochsensibilität bedeutet für mich nicht nur: „Ich nehme besonders viel wahr.“
Da gibt es auch eine emotionale Sensibilität.
Vielleicht kennst du das: Du bemerkst eine ganz kleine Veränderung im Gesicht eines anderen Menschen. Eine bestimmte Nuance in seinem Blick.
Und sofort denkst du:
Habe ich etwas falsch gemacht?
Ist die Person sauer auf mich?
Habe ich sie verletzt?
Oder du betrittst einen Raum und merkst sofort: Hier ist irgendwie Spannung.
Diese feine Wahrnehmung kann natürlich auch eine besondere Fähigkeit sein. Du kannst vielleicht sehr gut spüren, wie es anderen Menschen geht, und Dinge erkennen, die andere gar nicht wahrnehmen.
Aber die Frage ist:
Was passiert mit dir, wenn dich das, was du wahrnimmst, emotional triggert?
Denn dann geht es nicht mehr nur um eine besondere Wahrnehmung. Dann geht es darum, dass diese Wahrnehmung dich belastet.
Wenn Wahrnehmen zu Stress wird
Nehmen wir eine ganz normale Situation.
Jemand reagiert in einem Gespräch irgendwie anders als sonst.
Du bemerkst es sofort.
Und dann beginnt es in dir:
„Oh Gott, habe ich etwas falsch gemacht?“
„Habe ich die Person verletzt?“
Und plötzlich ist da Stress.
Vielleicht fühlst du dich selbst verletzt. Vielleicht denkst du:
„Ich muss mir einfach ein dickeres Fell zulegen.“
Aber genau da können wir genauer hinschauen.
Denn wenn du einfach nur eine hohe Sensitivität hast, kannst du deine Umwelt sehr fein wahrnehmen. Aber es muss dich nicht automatisch belasten.
Und genau das finde ich spannend.
Warum fällt es mir so schwer, Grenzen zu setzen?
Ich mache gerade eine Umfrage mit Menschen aus meiner Community, die Migräne haben.
Ich möchte verstehen:
Wie geht es euch eigentlich wirklich mit der Migräne?
Was belastet euch?
Was hilft euch?
Und vor allem interessiert mich:
Kann ich mit Migräne gut leben, ohne dass mich die Erkrankung psychisch ständig so belastet?
Denn das ist für mich ein Unterschied.
Es geht nicht nur darum:
„Habe ich meine Migräne im Griff?“
Sondern:
Wie viel Lebensqualität habe ich?
Vielleicht kennst du das:
Du bekommst eine Einladung und möchtest eigentlich hingehen. Aber sofort kommt der Gedanke:
„Oh Gott, wenn ich jetzt hingehe, bekomme ich vielleicht Migräne.“
Also sagst du ab.
Oder du gehst hin, bleibst aber ständig angespannt.
Vielleicht sitzt du abends noch mit einer Freundin im Garten und möchtest eigentlich bleiben. Aber du denkst:
„Was, wenn ich morgen Migräne bekomme?“
Und wenn du dann doch absagen musst, kommt noch das schlechte Gewissen dazu.
Dann leidest du nicht nur unter der Migräne, sondern auch darunter, dass du jemanden enttäuschst.
Migräne ist nicht einfach vollständig kontrollierbar
Mir ist an dieser Stelle etwas ganz wichtig:
Wir dürfen aus der Verbindung zwischen Hochsensibilität und Migräne nicht den Schluss ziehen:
„Du bist hochsensibel, deshalb hast du Migräne.“
So einfach ist es nicht.
Migräne ist eine sehr komplexe neurologische Erkrankung. Es wird weiterhin viel geforscht und die Auslöser können sehr unterschiedlich sein.
Bei der einen Person spielt vielleicht das Wetter eine Rolle, bei einer anderen hormonelle Veränderungen.
Und trotzdem finde ich die emotionale Komponente wichtig.
Denn unabhängig davon, was deine Migräne auslöst, stellt sich die Frage:
Wie geht es dir damit?
Wenn zwischenmenschliche Situationen zur Belastung werden
Vielleicht hast du einen Streit mit deinem Partner oder deiner Partnerin.
Vielleicht sagt deine Nachbarin etwas zu dir, das dich verletzt.
Du versuchst, dich zu rechtfertigen.
Aber danach beschäftigt dich die Situation stundenlang.
Vielleicht sogar tagelang.
Und irgendwann merkst du:
Mir geht es richtig schlecht.
Vielleicht kann so eine emotionale Belastung bei dir auch eine Migräneattacke begünstigen.
Und dann frage ich mich:
Können wir an dieser emotionalen Sensitivität etwas verändern?
Diese Frage ist für mich persönlich sehr wichtig, weil ich selbst genau diese Erfahrung kenne.
Ich war selbst ständig überfordert
Ich konnte früher nicht gut in Gespräche hineingehen.
Wenn mehrere Menschen auf einer Feier miteinander gesprochen haben, wusste ich oft überhaupt nicht, wie ich mich einklinken sollte.
Ich war angespannt und konnte nicht einfach locker ich selbst sein.
Soziale Kontakte waren für mich anstrengend. Danach war ich oft völlig fertig.
Du gehst abends aus, triffst viele Menschen, führst Gespräche und nimmst all diese Eindrücke auf.
Und wenn du später im Bett liegst, möchtest du eigentlich schlafen. Aber dein Kopf hört nicht auf.
Alles rattert noch einmal durch.
Das Gespräch. Der Blick. Der Satz.
Was die Person wohl gemeint hat.
Und irgendwann denkst du:
„Ich kann das nicht.“
„Das ist mir zu viel.“
Der Rückzug kann dein Leben kleiner machen
Und genau das habe ich selbst erlebt.
Ich habe angefangen, mich zurückzuziehen. Nicht mehr mitzugehen. Nicht mehr so viel zu machen.
Aus heutiger Sicht muss ich sagen:
Ich habe dadurch sehr viel verpasst.
Freundschaften, nette Kontakte, Freude und Erfahrungen.
Auch Urlaub war für mich früher schwierig. Wenn mein Mann sagte: „Lass uns doch in den Urlaub fahren“, war meine Reaktion eher:
„Oh nee. Nicht schon wieder.“
Es war für mich einfach anstrengend.
Heute ist das anders.
Heute kann ich Urlaub sehr gut genießen. Ich freue mich darauf, rauszukommen und Erfahrungen zu machen, die ich früher freiwillig gar nicht gemacht hätte.
Und genau da wird es für mich interessant.
Was verändert sich, wenn sich deine Gefühle verändern?
Es geht nicht nur darum, dass ich heute mental anders mit der Situation umgehe.
Nicht nur:
„Ich weiß jetzt, dass ich hochsensibel bin und muss deshalb besser auf mich achten.“
Sondern etwas in mir hat sich verändert.
Ich kann etwas machen und habe nicht mehr automatisch das Gefühl:
„Das wird mich jetzt ins Leid stürzen.“
Wenn du vor einer Einladung tausendmal überlegst:
„Soll ich?“
„Soll ich nicht?“
„Wie lange bleibe ich?“
„Was sage ich, wenn ich früher gehe?“
„Was denken die anderen dann?“
dann ist das schon vorher eine enorme Belastung.
Du leidest, bevor überhaupt etwas passiert ist.
Resilienz ist nicht einfach die Lösung
Und wenn du jetzt denkst:
„Dann bin ich eben nicht resilient genug.“
Dann hilft dir vielleicht auch nicht automatisch ein Resilienztraining.
Denn dann bekommst du wieder neue Aufgaben:
Du musst anders denken.
Du musst anders reagieren.
Du musst dich anders verhalten.
Du musst dich regulieren.
Aber vielleicht empfindest du die Situation eben genau so, wie du sie empfindest.
Deshalb finde ich die Frage viel interessanter:
Wie empfinde ich das eigentlich?
Was quält mich schon vorher?
Wovor habe ich Angst?
Warum bin ich so angespannt?
Was genau löst dieses Gefühl aus?
Denn diese emotionalen Trigger können wichtige Eingangstüren sein.
Vielleicht geht es gar nicht nur um deine Grenzen
Bei Migräne wird sehr viel darüber gesprochen, dass wir unsere Grenzen setzen müssen.
Nicht zu viel machen.
Uns nicht übernehmen.
Rechtzeitig zurückziehen.
Nein sagen.
Das kann ein hilfreiches Werkzeug sein.
Aber es ist für mich kein Heilungsweg.
Denn vielleicht kannst du deine Grenze gar nicht gut setzen – nicht nur, weil du harmoniebedürftig bist.
Vielleicht bist du ständig unbewusst bei deinen Mitmenschen.
Du fühlst mit.
Du nimmst wahr, wie es dem anderen geht.
Du passt dich an.
Du weißt vielleicht schon genau, was der andere braucht, und würdest gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu verlangen, das den anderen belasten könnte.
Und das Spannende ist:
Das läuft oft völlig unbewusst ab.
Eine Frage, die du dir einmal stellen kannst:
Kann ich eigentlich nur dann richtig entspannen, wenn ich alleine bin?
Wenn du mit anderen zusammen bist – vielleicht sogar mit deiner eigenen Familie – bist du dann wirklich bei dir?
Oder läuft im Hintergrund immer etwas mit?
Wie geht es dem anderen?
Braucht der andere etwas?
Ist alles in Ordnung?
Vielleicht bemerkst du dann:
Ich kann eigentlich erst richtig loslassen, wenn ich ganz alleine bin.
Woher kommt diese starke Anpassung?
Ich glaube, dass vieles davon in der Kindheit entstanden sein kann.
Wir haben als Kinder verinnerlicht, unsere Umgebung sehr genau wahrzunehmen.
Was braucht Mama?
Wie ist Papa gerade drauf?
Ist alles in Ordnung?
Darf ich so sein?
Darf ich etwas brauchen?
Darf ich Nein sagen?
Oder muss ich mich anpassen?
Wenn du früh gelernt hast, sehr genau auf andere zu achten, kann diese Fähigkeit später unglaublich fein ausgeprägt sein.
Du hast dann deine „Antennen“.
Du spürst sehr viel.
Aber vielleicht brauchst du diese Antennen heute gar nicht mehr in dem Maße.
Was, wenn deine Hochsensibilität einmal ein Schutz war?
Ich kann das nur für mich sagen:
Ich glaube heute, dass meine Hochsensibilität durch sehr frühe emotionale Verletzungen entstanden ist.
Dass sie ein Schutz war.
Ich brauchte diese feinen Antennen. Ich musste mich auf meine Umgebung einstellen und spüren, was passiert.
Deshalb habe ich diese Fähigkeit entwickelt.
Und ich glaube, dass das viel häufiger der Fall sein könnte, als wir denken.
Nicht als Aussage darüber, dass jede Hochsensibilität durch Trauma entstanden ist.
Sondern als Frage:
Woher kommt meine besondere Sensitivität eigentlich?
Und was macht sie heute mit mir?
Du bist deiner Migräne nicht einfach ausgeliefert
Mir ist wichtig, dass wir bei all dem nicht vergessen:
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung.
Du bist nicht schuld daran und kannst auch nicht einfach alles kontrollieren.
Aber vielleicht hast du trotzdem mehr in der Hand, als du bisher gedacht hast.
Nicht unbedingt dadurch, dass du noch besser funktionierst.
Nicht dadurch, dass du noch mehr Regeln befolgst.
Sondern indem du genauer hinschaust.
Wo leide ich?
Was belastet mich?
Welche Situationen lösen emotional etwas in mir aus?
Warum fällt mir das so schwer?
Warum kann ich meine Grenze nicht setzen?
Warum habe ich so ein schlechtes Gewissen, wenn ich absage?
Vielleicht findest du genau dort deine persönlichen Stellschrauben.
Du musst nicht einfach „so sein“
Ich möchte dir vor allem eines mitgeben:
Du musst nicht einfach sagen:
„Ich bin halt hochsensibel.“
„Mein Gehirn ist eben so.“
„Ich muss mich eben immer zurückziehen.“
Vielleicht gibt es mehr zu entdecken.
Vielleicht kannst du dir selbst wieder näherkommen.
Und vielleicht kann dein Leben dadurch wieder größer werden.
Ich habe mir neulich aufgeschrieben:
„Ich möchte einfach mich wieder haben.“
Und ich merke, dass genau das immer mehr passiert.
Du bist nicht einfach nur einem unheilbaren Krankheitsbild oder einem Gehirn ausgeliefert, das nun einmal so ist.
Du kannst nicht alles beeinflussen.
Aber du kannst genauer hinschauen und herausfinden, was hinter deiner persönlichen Belastung steckt.
Vielleicht liegt genau darin eine Möglichkeit, dein Erleben zu verändern.
Wenn du dazu eine Frage hast, schreib mir gern oder hinterlasse einen Kommentar.
Deine Sara
Leben statt Durchhalten!
